Montag, 10. November 2025

Totalitäre Herrschaft - Aber kein Faschismus

 

Mit diesem Thema habe ich mich in meinem Blog „Kolbs Freibeuterbriefe“ in sechs Blogposts auseinandergesetzt, zum ersten Mal 2016 (siehe die am Schluss angeführte Liste). Besonders im Post „Alles Faschismus – oder was?“ beschreibe ich die Unterschiede zwischen dem historischen Faschismus und dem aktuellen „invertierten“ (Sheldon Wolin) oder neoliberalen Totalitarismus. Für mich ist diese Unterscheidung wichtig, weil man gegen einen Faschismus nach historischem Vorbild strategisch anders agieren muß als gegen den neoliberalen Totalitarismus. Wichtig ist diese Unterscheidung auch, weil in den Köpfen der unpolitischen Bevölkerungsmehrheit der Begriff „Faschismus“ automatisch Assoziationen hervorruft, die von den Herrschenden durch jahrzehntelange Indoktrination eingeübt wurden, mit der aktuellen Wirklichkeit aber nichts zu tun haben. Deshalb betone ich in diesem Blogpost die Unterscheidung noch einmal.

Der Nationalsozialismus (Faschismus) war ein Mobilisierungsregime (Massenbewegung),

mit einer totalitären, rassistischen Volksgemeinschafts-Ideologie, die auch außerhalb der Politik keine Abweichung zu lies,

mit einer starken, charismatischen Führungspersönlichkeit an der Spitze der nach militärischen Ordnungsprinzipien operierenden faschistischen Einheitspartei.

Im faschistischen Staat gab es keine Wahlen, nur von oben organisierte Akklamationen. Das berühmteste Beispiel für eine solche Akklamation war die von Goebbels in seiner „Sportpalastrede“ 1943 an die Versammlung gerichtete Frage: „Wollt ihr den totalen Krieg?“.

Es gibt keine anderen Parteien und keine anderweitig organisierte Opposition.

Die faschistische Herrschaft wurde durch Gewalt, Terror und Mord gegen "Volksfeinde" durchgesetzt. Dafür wurden im Nationalsozialismus Konzentrationslager eingerichtet.

Es gab eine permanente strukturelle Kopplung von Staat und Wirtschaft, die vom faschistischen Staat dominiert wurde.

In seinem Beitrag im Freidenkerheft Nr. 2 über Faschismus zitiert Helmut Selinger Clara Zetkin: „Nur wenn wir verstehen, dass der Faschismus eine zündende, mitreißende Wirkung auf breite soziale Massen ausübt (Hervorhebung vom Blogger), die die frühere Existenzsicherung und damit häufig den Glauben an die Ordnung von heute schon verloren haben, werden wir ihn bekämpfen können.“ Diese „zündende, mitreißende Wirkung“ braucht der neoliberale Totalitarismus nicht:

Der invertierte oder neoliberale Totalitarismus setzt auf eine weitreichende Entpolitisierung der Bevölkerung und auf den Einsatz weicher, kaum wahrnehmbarer Unterdrückungsmechanismen (kognitive Kriegsführung).

Die entpolitisierte Bevölkerung wird mit künstlichen Spaltungen (divers, LGBT / LGBTQIA+) gegeneinandergehetzt, mit der von den sozialen Spannungen abgelenkt wird, das Vorhandensein sozialer Klassen wird damit verschleiert bzw. geleugnet.

Eine starke Führungspersönlichkeit braucht es in diesem technokratischen Herrschaftsregime nicht.

Formal kann weiter gewählt werden unter verschiedenen Parteien (Fassadendemokratie), die aber NATO- und Kapitalismushörig sein müssen, um „mitspielen“ zu dürfen (Kartellparteien).

Die Wirtschaft dominiert den Staat (temporäre strukturelle Kopplung), von der Altkanzlerin Angela Merkel mal beschrieben als „marktkonforme Demokratie“.

Social Engineering, Algorithmen, kognitive Kriegsführung auch gegen die eigene Bevölkerung und Künstliche Intelligenz ersetzen persönliche Kontrolle, Überwachung und Manipulation, Zensur wird größtenteils nicht vom Staat, aber in seinem Auftrag von Medienkonzernen wie Google, Microsoft und Facebook gehandhabt. Dieser Repressionsapparat bleibt für die unpolitische Mehrheit der Bevölkerung unsichtbar und damit kaum angreifbar.

Hier nur einige Beispiele, wie die Technokraten aller Couleur die Weltbevölkerung digital kontrollieren, überwachen und manipulieren wollen:

Über die geplante weltweite Einschränkung der Grundrechte durch WHO und IGV berichtet das Manova-Magazin: https://www.manova.news/artikel/die-polypandemie

Die Nachdenkseiten schreiben: „Die EU hat kein Zensurministerium. Sie braucht auch keines mehr. Die Arbeit übernehmen inzwischen Algorithmen, Compliance-Abteilungen und Gesetze, die sich so harmlos anhören, dass man kaum glauben mag, wie tief sie in die Öffentlichkeit eingreifen. Wer heute eine Website betreibt, die unbequem ist, spürt diese Veränderung nicht sofort. Es gibt keine Hausdurchsuchung, kein Verbot, keinen Gerichtsbeschluss. Stattdessen sinken die Aufrufzahlen“: https://www.nachdenkseiten.de/?p=140914.

Elektronisches Geld, digitale weltweite ID, Abschaffung des Bargeldes, Chatkontrolle, Videoüberwachung, Smart Cities mit totaler Überwachung aller Aktivitäten der Bewohner sind nur wenige Stichpunkte, die belegen, daß es keiner faschistischen Massenbewegung bedarf, um die Menschheit dem Würgegriff der Technokraten auszuliefern. Die Gefahr einer Welt ohne Freiheit geht heute von den herrschenden Technokraten in Politik und digitalen Großkonzernen aus. Die nationale Zugehörigkeit spielt keine Rolle, es geschieht in Europa, USA, China, Russland und wo auch immer. Sie arbeiten daran, mithilfe künstlicher Intelligenz eine individualisierte Scheinrealität zu schaffen, wie sie für den Hauptdarsteller im Film „Die Truman Show“ täglich erzeugt wurde.

Liste einschlägiger Posts in meinem Blog:

Bayreuther Gespräche - die tapferen Verehrer historischer Widerstandskämpfer treffen sich – 27.09.2025

Die tapferen Verehrer historischer Widerstandskämpfer – 01.10.2024

Zusammen in die totalitäre Postdemokratie – 22.03.2024

Alles Faschismus - oder was? – 12.03.2024

Der Hass der Wohlfühlfaschisten – 29.01.2024

Die AFD ist nur das Symptom – 02.06.2016

Freitag, 7. November 2025

Die deutschpatriotische Friedensbewegung - uralt und ganz allein

Als eine Palästinasolidarische, internationale und antiimperialistische Bewegung am 28.09.2025 rief, kamen Hunderttausend. Den Ruf der uralten pazifistischen, deutschpatriotischen Friedensbewegung hörten am 03.10.2025 noch Zwanzigtausend. Eindeutiger kann ein Votum gar nicht ausfallen. Die alt gewordenen Pazifisten sind out. Am besten, sie gehen nach Hause, setzen sich in ihren Ohrensessel und pflegen alte Mythen und Erinnerungen an bessere Zeiten. Oder sie besinnen sich, werden antiimperialistisch und ziehen gegen das amerikanische Imperium in die Demos. Das ist schließlich der einzige globale Störenfried, der seit 1776 ständig irgendwo Krieg führt und das Völkerrecht zertrümmert. Hirnvergreiste SPD-Heinis wie Ralf Stegner können dann halt nicht mehr mitmachen - wie schön.

In Italien waren am 04.10.2025 abends 1 Million Menschen auf den Straßen Roms unterwegs. Sie demonstrierten gegen Israels Kaperung der Gaza-Hilfsflotte und gegen den Völkermord Israels an den palästinensischen Menschen. Das Manifest dieser Demonstration verband die kompromisslose Ablehnung der NATO mit der uneingeschränkten Unterstützung des palästinensischen Widerstandes gegen das zionistische Apartheidsregime und seine völkerrechtswidrige Besetzung Palästinas. Die aktuelle Massenbewegung in Italien hat bereits Schiffe und Häfen blockiert und am 03.10.2025 mit einem Generalstreik große Teile des Landes lahmgelegt.

Auch in anderen europäischen Großstädten wie Paris, Madrid, Barcelona, Kopenhagen, Athen und London haben Hunderttausende für ein Ende des Gazakriegs und für pro-palästinensische Anliegen, vor allem für die Unterstützung der "Global Sumud Flotila" und gegen deren Kaperung durch die zionistische Soldateska demonstriert. Allein in London wurden mehr als 440 Menschen zeitweise festgenommen.

In Deutschland entfachte die deutschpatriotische Friedensbewegung dagegen, wie von mir prophezeit, wieder nur ein laues Lüftchen, im Vergleich zu den Stürmen gegen NATO und Zionisten in anderen Teilen Europas. Daß viele wohlmeinende Kommentatoren die Misere der deutschen Friedensbewegung durchaus sehen, belegt sehr schön der überaus kurze und nichtssagende Text der Rationalgalerie.

So wird das nichts mit „we shall overcome“.

 

Freitag, 26. September 2025

Bayreuther Gespräche - die tapferen Verehrer historischer Widerstandskämpfer treffen sich

Am 23.09.2025 erhielt ich von der Bayreuther Leuschnerstiftung eine Einladung: „Vorstellung der Publikation: „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“ von Herausgeber Dr. Wolfgang Proske und Vortrag von Prof. Dr. Jörg Becker „Stehen wir politisch am gleichen Punkt wie 1933?““ Ich bin Mitglied des Fördervereins dieser Stiftung. Besonders der letzte Punkt veranlasste mich zu einer Antwort:

 

Ich finde es wirklich sehr löblich, die Menschen über die Verbrechen der faschistischen Vergangenheit aufzuklären, um damit gleiche Tendenzen und Taten in Gegenwart und Zukunft zu verhindern. Allerdings wird dabei gerade von denen, die sich dieser Aufgabe besonders intensiv widmen, leider übersehen, daß sich die Zeiten geändert haben und totalitäre Politiken längst nicht mehr nur von Faschisten ausgehen, sondern von den staatstragenden Parteien. In meinem Blog "Kolbs Freibeuterbriefe" habe ich darauf schon öfter hingewiesen, zum Beispiel hier: "Die tapferen Verehrer historischer Widerstandskämpfer". Über den Wandel vom gewalttätigen Faschismus und seinen verschiedenen Formen zu einer Gesellschaftsform, die mit viel eleganteren Unterdrückungsmethoden arbeitet, hat der amerikanische Politikwissenschaftler Sheldon Wollin in seinem Buch "Umgekehrter Totalitarismus" geschrieben. Weiteres dazu ist inzwischen unter dem Stichwort "Kognitive Kriegsführung" bekannt geworden (Autor ist Jonas Tögel).Die Frage „Stehen wir politisch am gleichen Punkt wie 1933?“, die im Mittelpunkt der angezeigten Veranstaltung der Wilhelm-Leuschner-Stiftung steht, ist aus dieser Sicht mit einem klaren "Nein" zu beantworten.  Dazu ein Zitat aus einem meiner Blogposts: "Da stehen unerschrockene Kämpfer für Freiheit und Demokratie vor dem Haus der Demokratie und verteidigen es heldenhaft gegen einen Trupp böser Faschisten und solcher, die es noch werden wollen. Die sind angerückt mit reichlich altertümlichem Gerät, um das Haus der Demokratie abzureissen und in die Tonne zu treten. Weder die heldenhaften Verteidiger noch die bösen Angreifer nehmen wahr, daß vom Haus der Demokratie nur noch die Fassade (Jürgen Habermas "Fassadendemokratie") steht; denn es wurde von den Extremisten der Mitte, also den staatstragenden Parteien längst leergeräumt. Zum Schluß haben sie sogar einen großen Teil der Grundrechte auf den Müll geworfen. Beobachtet wird die skurrile Szenerie eines Kampfes um nichts von den kapitalistischen Machthabern, in deren Auftrag ihre staatstragenden Marionetten und die Politclowns aller Couleur das Haus der Demokratie ausgeräumt haben. Und sie lachen sich eins......"

 

Geantwortet hat mir nur ein befreundeter Kämpfer aus alten JUSO-Zeiten. Er wolle die Frage nicht mit einem klaren NEIN, sondern mit einem JEIN beantworten. Das kann ich akzeptieren, weil der gegenwärtige, „sanfte“ neoliberale Totalitarismus, der weiter formal an demokratischen Regeln wie beispielsweise Wahlen festhält, jederzeit in ein totalitäres Regime umschlagen kann, das dann mit Gewalt und Terror agiert wie der historische Faschismus. Im Unterschied zum historischen Faschismus wird dazu aber keine besondere Partei gebraucht. Die bestehenden „staatstragenden“ Parteien einschließlich der AFD werden diese Rolle selbst übernehmen.

 

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